Lexikon des Stierkampfs

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Indulto

Begnadigung eines Stieres; wenn ein Stier in allen Phasen sich tapfer und mutig zeigt, sowie allen Manövern folgt, kann dieser vom Präsidenten der corrida begnadigt werden. Dieser wird dann mit den cabestros zu den Stallungen geführt und dort vom veterinario behandelt. Schliesslich kommt er als Zuchtbulle wieder auf die ganadería zurück, um seine Qualitäten weiter zu vererben.

Eine Begnadigung eines Stieres wird vom Präsidenten mit einem orangenen Taschentuch angezeigt.

Foto (ext.)

Das indulto, die (Begnadigung)

Eine Reportage von Colin Ernst

Das gröÃ?te Glück für einen ganadero und den matador de toros ist es, einen Stier zu begnadigen. Dieses bedeutet, der Stier verlässt die plaza de toros nach dem Kampf lebend und kehrt zur Freude seines Züchters auf seine heimischen Weiden zurück. wo er später als Deckstier seine eigene Herde Kühe zugewiesen bekommt. Im Fachjargon ist dieses Tier nun ein "indultado". Der toro hat seine Tapferkeit, sein Durchhaltevermögen und seine Kampfeslust unter Beweis gestellt.

Wer sich näher mit Stieren befasst, weiÃ? um ihre Gefährlichkeit. Er ist mit seinen spitzen Hörnern gut bewaffnet und weiÃ? diese zu gebrauchen. Schon auf der finca hat er sie benutzt, um seine Ranghöhe in der Herde von Jungstieren zu sichern und zu behaupten. Nicht selten findet der Züchter morgens einen verletzten oder verblutenden Stier vor, welcher sich bei den nächtlichen peleas (Streitigkeiten), eine tödliche Hornwunde (cornada) zuzog. Die Hörner dienen nicht nur zum Kampf oder zur Verteidigung, mit ihnen kann er sich auch hervorragend das Fell kratzen, oder Erde aufwühlen. Das Horn ist keine tote Materie, im Inneren befinden sich Blutbahnen und Nerven, dadurch kann er mit dem Horn fühlen.

Führt man sich all dies vor Augen, addiert noch 500-600 Kilo Kampfgewicht hinzu, erkennt man, das dem torero ein handfester Gegner in der plaza gegenüber steht. Was ist nun gefährlicher? Das 70 Kilo schwere Männchen, bewaffnet mit einem meist roten Tuch, das von einer Holzleiste (palillo) gehalten wird und einem Trainingsdegen aus Holz oder Aluminium, welcher keineswegs zum Töten geeignet ist?

Der Degen aus Stahl, der estoque, kommt nur im Moment der estocada (tödlicher DegenstoÃ?)zum Einsatz.

Oder was ist mit den flinken Kerlchen, den banderilleros, welche ihm mit zwei mit bunten Bändern geschmückten Holzstäben an dessen Enden sich jeweils eine Stahlspitze mit Widerhaken befindet, gegenüber treten und deren Ã?berleben nur von ihrem Geschick und ihrer Schnelligkeit abhängt?


Ein banderillero setzt die banderillas
(Foto: mundotoro)


Auch mit dem picador auf seinem Pferd würde der Stier schnell fertig, wenn letzteres nicht durch den peto ( Schutzdecke ) geschützt wäre. Den Reiter ( picador ), würde der Stier gleich mit erledigen.Mit seinem rechten Bein in einem Eisenschuh, ist er nicht gerade beweglich.


Ein picador wartet auf den Angriff des toros.
(Foto: mundotoro)


Wie kann es also sein, das ein paar Männer, mit nicht grade tauglichen Waffen, mit diesem gut bestückten Stier mit 500-600 Kilo, welcher eine Antrittsgeschwindigkeit von ca.30 Stundenkilometer hat, fertig werden?

Der Stier hat hat auf auf Grund der seitlich am Kopf stehenden Augen einen beschränkten Blickwinkel. Dies haben die toreros gelernt zu nutzen. Mit dem Tuch, dessen äuÃ?erer Zipfel vor dem rechten oder linken Auge des Tieres bewegt wird, gaukelt man ihm den Gegner vor. Eine falsche Bewegung mit der muleta, entscheidet über Leben und Tod.

Die Kunst, die sich daraus ergibt, ist, das der matador mit dem toro einen wahrhaften Tanz aufführt. Allerdings sieht man dies nicht bei jeder corrida. Die Stiere scheinen recht schnell zu merken, das hinter dem Tuch kein fester Gegner steht und beginnen ihn mit den Hörnern direkt zu suchen. Besonders die Miura und Victorino Stiere sind deswegen gefürchtet. Gerade bei novilladas landen die noch unerfahrenen, jungen toreros oft mit einer cornada im Krankenhaus. Aber auch erfahrene matadores werden oft schwerst verletzt, wie Morante de la Puebla, oder Jiménez Fortes oder der schon legendäre José Tomas der so gerade dem Tod entronnen ist.

Wie zu Anfang erwähnt, ist ein indulto für den Züchter, sowie für den matador das höchste Ziel. Es ist die Kunst des toreros, den Stier an sich zu binden, ihm vorzugaukeln, das dieser Tuchzipfel sein Wunschziel ist. Er muss ihn aus seiner querencia, seinem bevorzugten Platz im ruedo herauslocken und mit ihm die schönsten pases zu vorzuführen.

Wer schon mehrmals corridas gesehen hat, hatte vielleicht das Glück einen guten torero, mit einem guten Stier verschmelzen zu sehen. Das Ganze unter den Klängen eines Paso Doble. Ein harmonisches Schauspiel unter dem Aspekt seiner Gefährlichkeit. Der Zuschauer hält de Atem an, fasziniert ergibt er sich dem "duende". Mitunter reiÃ?t es ihm von seinem
Sitz. Unbemerkt hat sich ein Olé aus seiner Kehle geschlichen - ein Schauspiel, von dem man möchte, das es nie zu Ende geht.

Das Publikum fordert die Begnadigung, Zuschauer, Züchter und Matador halten den Atem an.
Alle Augen sind auf den Präsidenten gerichtet. Man wartet auf das orangene Tuch, mit welchem der indulto gewährt wird.

Für den matador ist dies zugleich der gefährlichste Moment. Mit der muleta in der linken Hand, dirigiert er den Stier in die gleiche Stellung,wie sonst im letzten Akt. In der rechten Hand hat er keinen Degen, sondern er wird dem Stier, unbewaffnet
wie er nun ist, in der gleichen Art wie er sonst den DegenstoÃ? ausführt, mit der bloÃ?en Hand die Stelle berühren, wo sonst der Degen eindringt. Zwischen den Hörnern durch, in die Mitte der Schulterblätter. Der DegenstoÃ? im letzten Akt, ist schon oft Grund für den den Aufenthalt des toreros in der enfermería gewesen.


Der matador Enrique Ponce setzt zur estocada ohne estoque an.
(Foto: mundotoro)


Der Jubel in der plaza bei solchen, seltenen Schauspielen, wo die faena exellent, der Stier einen überdurchschnittlichen Kampf geliefert hat, ist unbeschreiblich. Die Freude des Publikums, des Züchters und des matadores mit seiner cuadrilla ist fühlbar. Die plaza vibriert.

Der Name des Stieres geht in die Geschichte ein. Angesichts seiner Nachkommen wird man sich seiner erinnern, an den glorreichen Tag, an dem er die höchste Prüfung, die Mensch und Tier miteinander bestreiten können, mit Bravour bestanden hat.







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