Lexikon des Stierkampfs

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Tauromaquia

1) "Arte de lidear toros". Stierkämpferkunst. Allgemeiner Begriff für die Kunst des Stierkampfes.

2) Regelwerk über den Stierkampf von Pepe Hillo (1754 - 1801) aus dem Jahr 1796

Tauromaquia 1796 (ext.)

Etymologie

Der Begriff leitet sich aus den griechischen Wörtern "tauros" (= Stier) und "makheia" (= Kampf) ab. Hier erkennt man, wie bei dieser Wortkreation der Irrtum entstanden ist, dass die toros weltweit zum Stierkampf, zum bullfight deklariert worden sind.

Was ist eigentlich Tauromaquia?

Die aktuelle dreissigbändige Ausgabe des Cossíos, mit immerhin 21.000 Seiten, verwendet gerade mal vier Worte zur Erklärung: Arte de lidiar toros, also die Kunst mit Stieren zu kämpfen. Fertig! Ernest Hemingway bezeichnet es 1932 als Kunst, Stiere zu Fuß oder zu Pferd zu bekämpfen. Lorenz Rollhäuser spricht von künstlerischen Regeln bei der Lehre vom Stierkampf und Rolf Neuhaus benötigt in seinem aktuellen Buch gar nur ein Wort: Stierkämpferkunst. Und für den chilenischen Dichter und Schriftsteller Pablo Neruda war die corrida ein Fest, Kunst und ein metaphysischer Schrei des Volkes.

Tauromaquia und Kunst, zwei Begriffe die vereint zu sein scheinen. Und so lässt sich die Frage, seit wann wird der Stierkampf als Kunst bezeichnet leicht beantworten: Solange es die Tauromaquia gibt! Aber die Tauromaquia gibt es noch nicht so lange wie die Stierfeste. Also stellt sich diesbezüglich eine weitere Frage:

Seit wann gibt es eigentlich die Tauromaquia?

Bis weit in das 18. Jahrhundert waren die Stierfeste ein unorganisiertes Durcheinander. Jeder durfte teilnehmen und jeder konnte mit den Stieren treiben wozu er Lust und Laune hatte. Ob Bauernjungen aus Andalusien, Schlachtersöhne aus Madrid, Akrobaten aus Navarra oder edle Ritter, die sich hoch zu Ross mit Lanzen im Kriegsspiel übten, es war stets eine heillose Unordnung. Gäbe es heute noch diese Art von Stierfesten, der Stierkampf wär mit Sicherheit schon längst abgeschafft worden. Zwar gab es schon im 13. Jahrhundert Gesetzesblätter zur Organisation von Stiergefechten, jedoch bezogen diese sich nicht auf den Ablauf selbst.

Auch die beiden Schriftstücke mit tauromaquia-ähnlichen Inhalt aus dem Jahr 1750 mit den Titeln �??Cartilla en verso en que se anotan algunas reglas de torear a pie, en prosa :[i]Noche phantástica, ideatico divertimento que demuestra el méthodo de torear a pie des spanischen Poeten Eugenio García Baragaña brachten nicht die gewünschte Ordnung.

Doch das sollte sich ändern. Am 20. Juli 1729 erblickte in Sevilla das Licht der Welt jemand, welcher der erste berühmte Torero der Tauromaquia werden sollte: Joaquín Rodríguez, bekannt unter dem Namen Costillares. Um 1750 wurde er zum matador de toros, und war der erste bekannte Stierkämpfer, der mit dem Umhang, der so genannten capa und der roten muleta kunstvolle Manöver vollführte. Vor allem wird ihm die Erfindung des volapié zugeschrieben, eine Tötungsart, bei der der Torero von vorne auf den Stier zugeht. In seinem Schatten eroberte ein weiterer den Torerohimmel: Der ebenfalls in Sevilla am 14. März 1754 geborene José Delgado, genannt Pepe-Hillo. Unter seinem Namen wurde 1796 in Cádiz die erste Tauromaquia o Arte de torear veröffentlicht. Dabei handelte es sich auf 58 Seiten um die erste Systematisierung des Stierkampfs. Der Pöbel wurde aus der Plaza de toros entfernt, und professionelle Stierkämpfer übernahmen das Zepter im Rahmen einer klar strukturierten Ordnung, die noch heute größtenteils ihre Gültigkeit hat. Doch Pepe-Hillo hat das Buch nicht selbst geschrieben, konnte er doch gerade mal, kunstvoll seine Unterschrift auf das Papier bringen. Somit wird als Verfasser der ersten Tauromaquia der Freund des Maestros, José de la Tixera gesehen. Dass Pepe-Hillo es damit auch nicht so ernst nahm, zeigt die Tatsache, dass er selbst sich des Öfteren nicht an die Regeln hielt, sobald er die Möglichkeit hatte, auf andere Weise zu Ruhm zu gelangen. Erst der am 19. November 1754 in Ronda geborene Pedro Romero perfektionierte die Tauromaquia und schuf sogar eine eigene Stilrichtung, den schnörkellosen Ronda-Stil, im Gegensatz zur verspielten sevillanischen Schule.

La Tauromaquia Pepe Hillo
Costillares Pedro Romero

Fazit: Wie weit man auch immer die kunstvollen Formen dem Stierkampf, insbesondere der Tauromaquia, zuordnen kann, die Anfänge finden sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Verbindung mit den drei Toreros Costillares, Pepe-Hillo und Pedro Romero. Lorenz Rollhäuser hat es so beschrieben, dass ab diesem Zeitpunkt die Toreros mit der Würde einer wissenschaftlich-künstlerischen Disziplin auftraten.
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Quellennachweise:
STIERKAMPF F�?R ALLE: Die Geburt der Tauromachie (ext.) , August 2009
COSSÍO, Espasa, Calpe 2007, Band 1
EL COSSÍO, Espasa, Calpe 1996, Band 5
TOD AM NACHMITTAG, Ernest Hemingway, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 1957
TOROS; TOREROS, Lorenz Rollhäuser, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 1990
DER STIERKAMPF, Rolf Neuhaus, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2007
CORRIDA, Pierre Imhasly, Edition Erpf, Bern 1982







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